Vorher – Nachher
Links sieht man, wie die Hunde nach vorne ziehen, ohne auf Marika zu achten. Sie versucht, durch Stehenbleiben zu korrigieren. Sie muss Kraft einsetzen, um die Hunde zurück zu halten. Ihre Körperhaltung ist gebückt und verkrampft. Die Hunde können daraus nicht ablesen, wo Marika eigentlich hin möchte, und treffen ihre eigenen Entscheidungen.
Rechts geht sie entspannt und aufgerichtet, die Arme hängen locker aus der Schulter herab, der Blick ist nach vorne gewandt. Die Hunde gehen nebeneinander an der durchhängende Leine und folgen der Richtung, die Marika nun klar und deutlich vorgibt. Der ruhigere Sam möchte mit etwas Abstand außen laufen und darf das auch.
Problemlösungen
Entscheidend war – wie immer – nicht nur die Arbeit an dem isolierten Problem der Leinenführigkeit. Die Ursache der Misere lag in der mangelnden Aufmerksamkeit der Hunde. Einmal vor der Tür, interessierten sich die beiden für alles andere, nur nicht für den Menschen am anderen Ende der Leine. Sie waren entsprechend überhaupt nicht in der Lage, richtig zu reagieren. Das begann schon mit dem Anleinen – voller Erwartung, waren die Hunde bereits beim Anlegen der Geschirre unkonzentriert und kaum ruhig zu halten, es breitete sich Hektik aus, im engen Flur entstand immer mehr Stress, der sich mit dem Öffnen der Haustür entlud – und schon der erste Schritt vor die Tür artete in ein Tauziehen aus. Wir verlegten das Anleinen ins Wohnzimmer, machten es zu einem positiven Erlebnis – für den ruhigen, verfressenen Sam mit einem Futterspiel, für den lebhaften Henry mit Spielzeug – und konnten dann entspannt gemeinsam das Haus verlassen. Eine scheinbare Kleinigkeit, aber solche täglichen Routinen stellen die Weichen für alles andere. Dazu gehört auch das Zuweisen eines festen Platzes und andere Übungen zur Verbesserung der Aufmerksamkeit, die Sie
hier nachlesen können.
Die Arbeit mit zwei Hunden
Oft wird ein zweiter Hund angeschafft, weil man sich im Grunde Arbeit ersparen will – die Hunde können sich ja gegenseitig beschäftigen. In Wahrheit passiert das Gegenteil: die Hunde schauen sich alles voneinander ab, und weil kein Hund mehr die volle Aufmerksamkeit bekommt, wird die Bindung zu beiden schwächer. Genau das passierte auch bei Sam und Henry – Sam ging eigentlich ganz ordentlich an der Leine, bis der ungestüme Henry dazu kam. Wo früher mit einem Hund konzentriert geübt werden konnte, wurde nun die Arbeit ständig durch den anderen gestört. So kamen beide zu kurz. Zwei Hunde machen tatsächlich nicht weniger und auch nicht die doppelte Arbeit, sondern die dreifache. Sie müssen alles erst mit dem einen, dann mit dem anderen Hund und schließlich mit beiden gemeinsam erarbeiten und bereit sein, jedem Hund während kurzer Arbeitssequenzen Ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Marika geht jetzt regelmäßig erst mit Henry, dann mit Sam, und zum Schluss mit beiden spazieren. Mehr Aufwand, aber es lohnt sich. Immerhin macht das Spazieren gehen wieder Spaß.